Der Haupt­ver­däch­ti­ge im Mordfall Lübcke räumt erstmals vor Gericht die Tat ein. Damit kehrt er zu seinem ersten, wider­ru­fe­nen Geständ­nis zurück. Aller­dings gibt es einen wesent­li­chen Unterschied.

«In dem Moment sah ich, dass er wieder aufste­hen wollte — und da habe ich geschos­sen», sagt er in einem Geständ­nis, das sein Anwalt Musta­fa Kaplan am Mittwoch vor dem Oberlan­des­ge­richt Frank­furt verlas. Gleich­zei­tig belas­te­te Ernst den Mitan­ge­klag­ten Markus H., der ebenfalls am Tatort gewesen sei und eine entschei­den­de Rolle gespielt habe.

Der Kasse­ler Regie­rungs­prä­si­dent Lübcke war im Juni 2019 auf der Terras­se seines Wohnhau­ses im Landkreis Kassel getötet worden. Der Deutsche Ernst muss sich wegen der Tat vor dem Staats­schutz­se­nat des Oberlan­des­ge­richts verant­wor­ten. Der General­bun­des­an­walt wirft ihm rechts­ex­tre­mis­ti­sche Motive vor. Der zweite Angeklag­te, Markus H., wird der Beihil­fe beschul­digt. Dass H. mit am Tatort war, hatten die Ermitt­ler Ernst in einer frühe­ren Aussa­ge nicht abgenommen.

H. sei in einer schwie­ri­gen psychi­schen Phase von Ernst sein «Mentor» gewesen, ließ der Haupt­an­ge­klag­te nun erklä­ren: «Er hat mich radika­li­siert und aufge­hetzt.» Demnach war H. es, der Lübcke als Ziel ins Spiel brach­te. Bei Schieß­übun­gen habe H. eine Zielschei­be mit dem Bild von Angela Merkel gehabt und erklärt, dass er auch eine Zielschei­be von Lübcke machen wolle. Im Gegen­satz zur Kanzle­rin «sei Lübcke jemand, an den man rankom­men könnte». Zudem habe H. den Regie­rungs­prä­si­den­ten als «Volks­ver­rä­ter» bezeichnet.

Nach einer Bürger­ver­samm­lung 2015, bei der sich Lübcke für die Aufnah­me von Flücht­lin­gen einsetz­te, habe H. erklärt, dass man dem CDU-Politi­ker einen «Besuch» abstat­ten solle. Laut der Erklä­rung verab­re­de­ten sich Ernst und H. 2019 dazu. Ziel sei nicht ausdrück­lich gewesen, Lübcke zu töten. Aber: «Der Einsatz der Waffe war auf jeden Fall eine Alter­na­ti­ve, die wir in Betracht zogen.» Als Ernst und H. Lübcke auf der Terras­se seines Wohnhau­ses bedroh­ten, habe er auf einem Stuhl geses­sen. Der Politi­ker habe aufste­he