KISSLEGG — In Kißlegg wird aus biolo­gi­schen Reststof­fen klima­scho­nen­des Biogas gewon­nen / Neue Biogas-Tankstel­le schließt Energie­kreis­lauf

Als die Thüga Energie vor zehn Jahren ihre Biogas-Aufbe­rei­tungs­an­la­ge mit innova­ti­ver Membran­tech­nik in Betrieb nahm, galt dieser Schritt als Pionier­akt. Heute erzeugt die Anlage rund 25 Mio. Kilowatt­stun­den Biogas pro Jahr und kann etwa 1.000 Haushal­te mit klima­scho­nen­der und nachhal­tig erzeug­ter Energie versor­gen.

Partner des regio­na­len Energie­ver­sor­gers ist Franz Rupp, Landwirt und Gründer sowie geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter der BRV – Biolo­gi­sche Reststoff Verwer­tung GmbH. Er nutzt in seiner Biogas­an­la­ge ausschließ­lich biolo­gi­sche Reststof­fe, die keine andere Verwer­tung finden und von seinem zerti­fi­zier­ten Entsor­gungs­fach­be­trieb angelie­fert werden. Das dabei erzeug­te Rohbio­gas wird von der Thüga Energie übernom­men, in ihrer Anlage, die sich ebenfalls auf dem BRV-Gelän­de befin­det, auf Erdgas-Quali­tät aufbe­rei­tet und anschlie­ßend ins Gasnetz einge­speist. Für die erstma­lig in einer europäi­schen Großan­la­ge einge­setz­te Membran­tech­no­lo­gie vergab die Deutsche Energie­agen­tur (dena) einen Sonder­preis.

„Seit zehn Jahren leisten wir mit der Biogas­auf­be­rei­tung in Kißlegg einen Beitrag zur klima­scho­nen­den und nachhal­ti­gen Energie­er­zeu­gung“, erklärt Dr. Markus Spitz, Geschäfts­füh­rer der Thüga Energie. So werden mit der Biogas-Aufbe­rei­tungs­an­la­ge jährlich über 10.000 Tonnen Kohlen­stoff­di­oxid (CO2) einge­spart. Das entspricht dem CO2-Ausstoß von 78 Mio. gefah­re­nen Kilome­tern eines Mittel­klas­se­wa­gens. „Die dafür nötige Inves­ti­ti­on von damals 2,1 Millio­nen haben wir allein gestemmt“, unter­streicht Dr. Markus Spitz. „Mit Herrn Rupp haben wir zudem einen starken Partner vor Ort, der sich schon lange mit nachhal­ti­ger Energie­er­zeu­gung beschäf­tigt und perma­nent an der Verbes­se­rung der Energie­ef­fi­zi­enz arbei­tet.“

Biogas-Tankstel­le zum Firmen­ju­bi­lä­um

Das Unter­neh­men BRV feiert in diesem Jahr 25-jähri­ges Firmen­ju­bi­lä­um. Dazu hat sich Franz Rupp selbst einen Wunsch erfüllt und eine Biogas-Tankstel­le auf seinem Gelän­de errich­tet. Hier soll zukünf­tig sein betrieb­li­cher Fuhrpark mit 15 Gas-Lkw tanken. „Uns war es wichtig, den letzten Schritt für den ökolo­gi­schen Kreis­lauf in unserem Betrieb zu gehen und den autar­ken Gedan­ken zu vervoll­stän­di­gen“, sagt er. „Mit den biolo­gi­schen Reststof­fen, welche wir heute bei den Kunden sammeln, wird Energie erzeugt, die wir zum Teil wieder­um dafür einset­zen, die Fahrzeu­ge anzutrei­ben, um die nächs­ten biolo­gi­schen Reststof­fe abzuho­len.“ Bereits jetzt ist der Fuhrpark zu 80 Prozent umgestellt und spart rund 260.000 Liter Diesel pro Jahr ein. Im kommen­den Jahr sollen die restli­chen 20 Prozent folgen.

Einen Energie­kreis­lauf gibt es übrigens auch in der BRV-Biogas-Anlage selbst, denn in einem angeschlos­se­nen Block­heiz­kraft­werk (BHKW) wird aus dem Biogas die elektri­sche Energie und Wärme erzeugt, die wieder­um zum Betrei­ben der Anlage notwen­dig sind.

Beitrag für Energie- und Verkehrs­wen­de bei hoher regio­na­ler Wertschöp­fung

Das gemein­sa­me Energie­pro­jekt von Thüga Energie und BRV findet auch die Aufmerk­sam­keit von Landrat Harald Sievers, Landkreis Ravens­burg: „Biogas ersetzt fossi­les Erdgas und leistet in diesem Fall sogar noch einen Beitrag für eine klima­scho­nen­de Verkehrs­wen­de.“ Letzte­rer Aspekt ist für den Bürger­meis­ter der Gemein­de Kißlegg, Dieter Kratten­ma­cher, beson­ders wichtig: „Wir sehen darin einen wertvol­len Beitrag zur Erfül­lung unserer lokalen Klima­schutz­zie­le.“ Dass durch die BRV rund 50 Arbeits­plät­ze in Kißlegg entstan­den sind, sei zudem ein Gewinn für die Gemein­de.

So kommt das Biogas zum Einsatz

Ihr Biogas bietet die Thüga Energie in verschie­de­nen Produk­ten an, welche Haushal­te, Gewer­be­kun­den und Kommu­nen nutzen. So wird unter anderem das Block­heiz­kraft­werk im Adler-Quartier in Wangen mit 100 Prozent Biogas aus Kißlegg betrie­ben. Aber auch die Liegen­schaf­ten der Landes­haupt­stadt Stutt­gart werden vom regio­na­len Energie­ver­sor­ger mit Biogas versorgt. Daneben ist Bio-Erdgas eine gute Ergän­zung, um beim Heizungs­tausch die Vorga­ben aus dem Erneu­er­ba­re-Wärme-Gesetz zu erfül­len.