Den «Vogel des Jahres» darf diesmal die Bevöl­ke­rung wählen. Ins Finale hat es auch ein eher ungewöhn­li­cher Kandi­dat geschafft: die Stadt­tau­be. Doch vorne liegt zurzeit ein gewöhn­li­cher Gartenvogel.

Dass der Lieblings­vo­gel der Regens­bur­ger Domspat­zen der Spatz sein muss, ist irgend­wie logisch. Also machen die Schüle­rin­nen und Schüler der kirch­li­chen Privat­schu­le gerade kräftig Wahlkampf für den Haussper­ling, wie der gesel­li­ge Vogel eigent­lich heißt. Mit ihrem Wahlkampf­team «Spatzen für Spatzen» gehen sie bei der Wahl zum «Vogel des Jahres» im Inter­net auf Stimmenfang.Doch die Konkur­renz ist groß: Zehn Kandi­da­ten stehen zur Wahl — und der Spatz liegt bisher im Mittel­feld. Um den ersten Platz liefern sich Rotkehl­chen und Rauch­schwal­be ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zurzeit führt das Rotkehlchen.

Dahin­ter folgen Kiebitz, Feldler­che, Stadt­tau­be und Haussper­ling. Doch auch Blaumei­se, Eisvo­gel, Goldre­gen­pfei­fer und Amsel haben noch Chancen. Denn die Wahl läuft noch bis zum 19. März. Erst dann soll der Sieger feststehen.

Norma­ler­wei­se ernen­nen der Natur­schutz­bund Deutsch­land (Nabu) und der bayeri­sche Landes­bund für Vogel­schutz (LBV) den «Vogel des Jahres». Seit 50 Jahren läuft das so. Der erste «Vogel des Jahres» war 1971 der Wander­fal­ke. Mittler­wei­le gibt es zahlrei­che Tiere, Pflan­zen, Pilze und sogar Mikro­or­ga­nis­men des Jahres.

Im Jubilä­ums­jahr dürfen nun erstmals die Vogel­freun­de selbst den «Vogel des Jahres» küren. Mehr als 200.000 Menschen haben nach Nabu-Angaben bisher auf der Homepage abgestimmt. «Es gibt eine Faszi­na­ti­on für Vögel. Jeder kann wahrschein­lich aus dem Bauch heraus sofort seinen Lieblings­vo­gel nennen», erklärt sich Stefa­nie Bernhardt vom LBV in Hilpolt­stein die rege Beteiligung.

Auch der Lockdown habe dafür gesorgt, dass sich die Menschen mehr für die Natur und somit für die Vögel vor ihrer Haustür inter­es­sier­ten. «Dass das Rotkehl­chen, ein klassi­scher Garten­vo­gel, den Schna­bel vorn hat, spricht dafür», sagt Bernhardt.

Die Amsel, ein ebenfalls häufi­ger Gast im Garten, konnte davon aller­dings nicht profi­tie­ren. Sie liegt zurzeit auf einem der hinte­ren Plätze. «Das hat sie nicht verdient», meint Rudolf Wittmann, der mit seinem Team «Ingol­städ­ter Amsel­flüs­te­rer» schon in der Vorwahl für die Amsel jede Menge Stimmen gesam­melt hat.

Die Amsel überzeu­ge mit ihrer melan­cho­lisch-schönen Stimme, schwärmt Wittmann. Bemer­kens­wert sei, dass diese noch vor 100 Jahren ein scheu­er Waldvo­gel gewesen sei, sich dann aber in Dörfern und Städten verbrei­tet habe. Doch inzwi­schen ist ihr Lebens­raum dort nach Angaben von Wittmann bedroht, weil viele Gärten nicht mehr genug Vielfalt bieten. Auch der Klima­wan­del mache den Amseln zu schaffen.

Und noch ein Argument spricht aus seiner Sicht für die Amsel: Sie war noch nie «Vogel des Jahres». Das gilt aber auch für die Blaumei­se und die Stadt­tau­be. Überhaupt, die Stadt­tau­be! In der Vorwahl, in der es darum ging, die zehn Kandi­da­ten für das Finale zu suchen, lande­te diese überra­schend auf Platz 1. «Wir gehen davon aus, dass Tauben­lieb­ha­ber dahin­ter stehen», sagt Bernhardt.

Eine davon ist Claudia Rupp vom Nürnber­ger Tierschutz­ver­ein für Stadt­tau­ben und Wildtie­re. Wie viele ihrer Kolle­gin­nen und Kolle­gen hat sie für die Stadt­tau­be gestimmt und den Link fleißig geteilt. «Wir sind natür­lich gut vernetzt», sagt sie. «Wir wollen das nutzen, um auf das Schick­sal der Stadt­tau­ben aufmerk­sam zu machen.» Diese seien verwil­der­te Haustie­re und litten unter dem Leben auf der Straße. «Sie sind sozusa­gen die Straßen­hun­de Deutschlands.»

Über Speku­la­tio­nen in den Medien, dass