TUTTLINGEN — Der Neuzu­gang der Corona-Infek­tio­nen in Tuttlin­gen hat einen neuen Rekord­wert erreicht. Am Montag lag die Sieben-Tages-Inzidenz für das Stadt­ge­biet bei 414 neuen Fällen pro 100 000 Einwoh­ner. OB Micha­el Beck fordert vor diesem Hinter­grund dringendst dazu auf, sich an Abstands­re­geln und Kontakt­sper­ren zu halten. „Im schlimms­ten Fall droht uns eine Ausgangs­sper­re“, so der OB.

Im sächsi­schen Landkreis Görlitz oder im bayeri­schen Passau ist es bereits so weit. Nachdem die Inzidenz dort Werte deutlich jenseits der 400 erreicht hatte, verhäng­ten die Behör­den Ausgangs­sper­ren. Das heißt: Die Wohnung darf nur noch verlas­sen, wer einen trifti­gen Grund hat.

Für Tuttlin­gen möchte OB Micha­el Beck dies gerne verhin­dern. „Ein solches Szena­rio droht uns aber auch“, so der OB. Am Montag­vor­mit­tag lagen nun die aktuel­len Werte für das Stadt­ge­biet Tuttlin­gen vor. Sie liegen nun bei 414, Ende letzter Woche waren es noch rund 340. „Wir müssen alles tun, um diesen Trend zu brechen“, so der OB. „Und das geht nur, wenn alle mitziehen.“

Mit amtli­chen Maßnah­men allei­ne ließe sich das Ziel nicht errei­chen, so der OB. Zwar könne die Stadt die Masken­pflicht in der Öffent­lich­keit oder in Geschäf­ten kontrol­lie­ren, auf das Gesche­hen in priva­ten Wohnun­gen habe man hinge­gen keinen Einfluss. „Wir können nicht kontrol­lie­ren, wie viele Menschen aus wie vielen Haushal­ten irgend­wo im Wohnzim­mer sitzen“, so der OB. „Wir können daher nur an die Vernunft der Menschen appel­lie­ren: Meiden Sie Kontak­te soweit es geht – sonst kriegen wir die Lage nicht mehr in den Griff.“

Vor dem Hinter­grund der aktuel­len Entwick­lung vertei­digt Beck auch die kurzfris­ti­ge Absage des Wochen­mark­tes am Freitag. „Mir war bewusst, dass wir dafür nicht gelobt werden – und so war es dann auch“, so der OB. „Das ganze Wochen­en­de gingen kriti­sche bis wüten­de Mails bei mir ein.“ Mittler­wei­le sei man aber in Tuttlin­gen in einer Lage, in der nur noch drasti­sche Schrit­te helfen – auch, um die Menschen aufzu­rüt­teln. „Daher war die Absage des Marktes nur konse­quent“, so der OB, zumal dies auch ein Bereich sei, in dem die Stadt allei­ne entschei­den könne. „Mir ist bewusst, dass es sicher Berei­che gibt, die vom Infek­ti­ons­ge­sche­hen her riskan­ter sind“, räumt Beck ein, „aber als Stadt können wir weder Kirchen und Glaubens­ge­mein­schaf­ten schlie­ßen noch die Zahl der Busse und Züge von heute auf morgen drastisch steigern.“

„Ich hoffe, dass es bald alle begrei­fen, in was für einer Lage wir sind“, so Beck. Noch sei dies leider nicht der Fall. „Wenn ich bei Facebook dann lese, dass die Lautsprech­erfahr­ten der Feuer­wehr als Panik­ma­che oder Verdum­mung bezeich­net werden, macht es mich wütend. Manche werden den Ernst der Lage vermut­lich erst begrei­fen, wenn Sie selber auf der Inten­siv­sta­ti­on liegen oder am Grab eines Angehö­ri­gen stehen.“