BERLIN (dpa) — Schon seit Wochen sind die Impfzen­tren leer und Sprit­zen gegen das Corona­vi­rus kaum mehr gefragt. Die Politik geht jetzt Vorbe­rei­tun­gen dafür an, dass sich das in einigen Monaten wieder ändern dürfte.

Der Bund will zusätz­li­chen Corona-Impfstoff für den Herbst bestel­len und damit auch mehre­re mögli­che Virus­va­ri­an­ten breiter abdecken.

«Wir müssen auf alle Eventua­li­tä­ten vorbe­rei­tet sein», sagte Gesund­heits­mi­nis­ter Karl Lauter­bach (SPD) am Mittwoch. Eine vom Bundes­ka­bi­nett beschlos­se­ne Strate­gie sehe daher weite­re 830 Millio­nen Euro vor, um ein vom Herstel­ler Moder­na angekün­dig­tes Präpa­rat zu beschaf­fen, das bei verschie­de­nen Varian­ten zugleich wirke. Bei einem Treffen der G7-Ressort­chefs in Berlin soll es unter anderem um besse­re Strate­gien für weltwei­te Gesund­heits­kri­sen gehen.

Deutsch­land wolle trotz eines aktuel­len Impfstoff-Überschus­ses weite­re Dosen über EU-Beschaf­fun­gen bestel­len, erläu­ter­te Lauter­bach. Die Pande­mie sei nicht vorbei, und die Impfstof­fe würden benötigt. «Wir wissen aber nicht, welche Varian­ten im Herbst uns konfron­tie­ren werden.» Über Verträ­ge der alten Regie­rung sei ausrei­chend Impfstoff da, der gegen die Ursprungs­va­ri­an­te samt Delta-Varian­te wirke. Auch ein zweiter, rein auf die Omikron-Varian­te angepass­ter Impfstoff von Biontech sei bestellt. Zusätz­lich beschafft werden solle nun ein von Moder­na vorbe­rei­te­tes Präpa­rat, das bei beiden Virus-Typen wirke.

Nie wieder zu wenig Impfstoff

Lauter­bach beton­te, eine Lehre aus der Pande­mie sei, nie wieder zu wenig Impfstoff zu haben. Er kündig­te eine Impfkam­pa­gne mit Blick auf den Herbst an. Allen, die es bräuch­ten oder wünsch­ten, solle auch eine vierte Impfung angebo­ten werden können. Um so schnell wie möglich impfen zu können, sollten die Impfzen­tren weiter­ge­führt und vom Bund mit bis zu 100 Millio­nen Euro pro Monat unter­stützt werden.

Über Schutz­maß­nah­men bei einer erwar­te­ten Infek­ti­ons­wel­le im Herbst gibt es in der Koali­ti­on bereits Diskus­sio­nen. Der Grünen-Exper­te Janosch Dahmen sagte den Zeitun­gen der Funke-Medien­grup­pe (Mittwoch), das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz müsse so refor­miert werden, «dass Bund und Länder für den Ernst­fall ausrei­chen­de Maßnah­men zur Verfü­gung haben». Zur Vorsor­ge gehöre, dass bei einer erneu­ten Welle die 2G- und 3G-Regeln, die Masken­pflicht in Innen­räu­men und Testpflich­ten in bestimm­ten Risiko­be­rei­chen recht­zei­tig reakti­viert werden könnten.

FDP-Frakti­ons­chef Chris­ti­an Dürr sagte indes den Funke-Zeitun­gen: «Freiheits­ein­schrän­kun­gen auf Vorrat wird es mit der FDP nicht geben.» Man müsse sich auf den Herbst vorbe­rei­ten. «Aber dafür müssen wir nicht die Maßnah­men aus dem Infek­ti­ons­schutz­ge­setz reakti­vie­ren, die die letzte Welle schon nicht eindäm­men konnten.» Nötig seien etwa besse­re Digita­li­sie­rung, kreati­ve­re Impfan­ge­bo­te und mehr Präven­ti­on in Behör­den und Schulen.

Abgestimm­ter Plan

Lauter­bach stell­te ein baldi­ges Konzept in Aussicht. Er werde einen «Plan vorstel­len, den ich auch mit dem Bundes­kanz­ler­amt sehr eng abgestimmt habe, wie man im Herbst die Pande­mie managt», sagte er im Bayeri­schen Rundfunk. Das kürzlich geänder­te Infek­ti­ons­schutz­ge­setz läuft am 23. Septem­ber aus.

Der Kampf gegen künfti­ge Pande­mien soll eines der Themen bei einem Treffen der Gesund­heits­mi­nis­ter der sieben führen