Nach dem ersten Lockdown gab ein Drittel der Konsu­men­ten an, mehr zu kiffen als vor der Pande­mie. Wie hat sich das während der zweiten Welle entwickelt?

FRANKFURT/MAIN (dpa) — Beim Gang durch Stadt oder Park steigen dem Passan­ten vieler­orts süßli­che Schwa­den in die Nase. Wird seit Corona mehr gekifft?

Hinwei­se darauf gibt es, wie Befra­gun­gen des Centre for Drug Research an der Frank­fur­ter Goethe-Univer­si­tät nahele­gen, die der Deutschen Presse-Agentur exklu­siv vorlie­gen. Aller­dings gibt es auch Fakto­ren, die den Konsum eindäm­men, wie Drogen­for­scher Bernd Werse erklärt.

Vor Corona standen die Zeichen auf Entspan­nung. Canna­bis­kon­sum war 2019 bei Jugend­li­chen deutlich weniger verbrei­tet als in den Vorjah­ren. «Nur noch jede und jeder dritte Jugend­li­che gab an, mindes­tens einmal im Leben Canna­bis konsu­miert zu haben», hieß es in dem Anfang März veröf­fent­lich­ten «Monito­ring System Drogen­trends» (MoSyD) für das Jahr 2019.

Gruppe der Inten­siv­kon­su­men­ten wächst

Die sogenann­te Lebens­zeit-Präva­lenz (die Bereit­schaft, es auszu­pro­bie­ren) erreich­te den Wissen­schaft­lern zufol­ge sogar «ihren Tiefst­wert seit Beginn der Befra­gung im Jahr 2002». Für die jährli­che MoSyD-Studie werden einmal jährlich über 1500 Schüle­rin­nen und Schüler aller Schul­for­men befragt. Es ist die einzi­ge Erhebung dieser Art in Deutschland.

Nach einem Jahr Corona erwar­tet das Drogen­re­fe­rat mit Spannung die Zahlen für 2020. «Was uns umtreibt, ist die Frage, wie sich die Pande­mie vor allem auf den Konsum von Jugend­li­chen aus sozial schwa­chen Famili­en auswirkt», sagt Oliver Krause vom Drogen­re­fe­rat Frank­furt. «Unsere Sorge ist, dass die Gruppe der Inten­siv­kon­su­men­ten wächst.»

Anlass zu dieser Annah­me geben die Gründe, die Jugend­li­che bei MoSyD für ihren Drogen­kon­sum nennen. Auf Platz eins liegt stets Neugier, gefolgt von «den Alltag verges­sen» und «etwas Neues und Aufre­gen­des erleben». Wenn es wegen der Kontakt­be­schrän­kun­gen wenig Aufre­gen­des zu erleben gibt, aber viel Grund, den langwei­li­gen Alltag zu verges­sen, könnte das den Griff zum Joint attrak­ti­ver machen, schätzt das Drogenreferat.

Weniger Anläs­se in der Corona-Pandemie

Aller­dings gebe es in der Pande­mie auch limitie­ren­de Fakto­ren, gibt Drogen­for­scher Werse zu beden­ken: Wer weniger Kontak­te hat, hat auch weniger Kontakt zu Drogen. «Wir wissen, dass es haupt­säch­lich von der Art und der Inten­si­tät der Kontak­te abhängt, wie viel und was Jugend­li­che konsu­mie­ren», sagt der Sozial­päd­ago­ge. Im Lockdown habe es nicht nur weniger Treffen und damit weniger Anläs­se gegeben, sondern auch weniger Gelegen­hei­ten, sich Drogen zu besorgen.

Werse hält es daher «für nicht beson­ders plausi­bel», dass während Corona mehr Jugend­li­che aus Lange­wei­le angefan­gen haben zu kiffen. Aller­dings deute vieles auf eine Inten­si­vie­rung hin: «Die Tendenz geht in diese Ric