BERLIN (dpa) — Im Ausland wird die Wahl von Olaf Scholz verfolgt. Während einige Länder auf konstruk­ti­ve Bezie­hun­gen zu Scholz setzen, wird die neue Außen­mi­nis­te­rin Annale­na Baerbock skeptisch gesehen.

Deutsch­lands erste Ampel-Koali­ti­on im Bund geht an den Start: SPD, Grüne und FDP haben den Sozial­de­mo­kra­ten Olaf Scholz im Bundes­tag zum neuen Kanzler der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land gewählt. Die Reaktio­nen aus dem Ausland zur neuen Bundes­re­gie­rung sind geteilt.

Russland

Der Kreml hofft auf einen Dialog mit Deutsch­land. «Wir setzen darauf, dass sich zwischen dem Präsi­den­ten und dem neuen Kanzler konstruk­ti­ve Bezie­hun­gen entwi­ckeln», sagte Kreml­spre­cher Dmitri Peskow in Moskau der Agentur Inter­fax zufol­ge. Der Sprecher von Staats­chef Wladi­mir Putin beton­te zugleich: «Wir hoffen, dass die deutsche Seite weiter­hin von dem Verständ­nis ausgeht, dass es keine Alter­na­ti­ve zum Dialog gibt, um selbst die schwie­rigs­ten Meinungs­ver­schie­den­hei­ten zu beseitigen.»

Das Verhält­nis beider Länder ist wegen verschie­de­ner Konflik­te schwer belas­tet. Zuletzt hatte Angela Merkel im August vor ihrem Abschied aus dem Kanzler­amt Putin persön­lich im Kreml in Moskau getrof­fen. Russland sieht vor allem die neue Außen­mi­nis­te­rin Annale­na Baerbock skeptisch, weil sich die Grünen-Politi­ke­rin offen gegen die noch nicht in Betrieb genom­me­ne Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutsch­land ausge­spro­chen hatte.

Peskow sagte, Putin wolle Scholz ein Glück­wunsch-Telegramm schicken.

China

In Telefo­na­ten haben Chinas Staats- und Partei­chef Xi Jinping und Regie­rungs­chef Li Keqiang Scholz zu seiner Wahl gratu­liert. Nach Angaben des Staats­fern­se­hens sprach sich Chinas Präsi­dent für einen Ausbau der Zusam­men­ar­beit und des Austau­sches zwischen beiden Ländern aus, um die Bezie­hun­gen «auf eine neue Ebene» zu heben.

Xi Jinping beschrieb China und Deutsch­land als «umfas­sen­de strate­gi­sche Partner». Beide hätten sich über die Jahre mit gegen­sei­ti­gem Respekt behan­delt und Gemein­sam­kei­ten gesucht, während Diffe­ren­zen zurück­ge­stellt worden seien, wurde der Präsi­dent zitiert.

Chinas Regie­rungs­chef Li Keqiang beschrieb das Verhält­nis zwischen Deutsch­land und China laut Staats­fern­se­hen als «die wichtigs­ten bilate­ra­len Bezie­hun­gen in der Welt». «Ich freue mich darauf, gute Arbeits­kon­tak­te zu ihnen aufzu­bau­en und aufrechtzuerhalten.»

Beobach­ter wiesen darauf hin, dass die kommu­nis­ti­sche Führung auch angesichts der bereits geäußer­ten deutli­chen Kritik der neuen Außen­mi­nis­te­rin Baerbock an China vor allem gute Bezie­hun­gen zu Kanzler Scholz aufbau­en will. Nach der guten Zusam­men­ar­beit mit Kanzle­rin Angela Merkel erhofft sich Peking von dem frühe­ren Vizekanz­ler Scholz eine gewis­se Kontinuität.

Ungarn

Der ungari­sche Minis­ter­prä­si­dent Viktor Orban sieht tiefe Gräben im Verhält­nis zu Deutsch­land und auch zur neuen Bundes­re­gie­rung unter Scholz. «Die neue links­li­be­ra­le Regie­rung strebt weg von Kohls Europa der Vater­län­der hin zu einer migra­ti­ons- und gender­freund­li­chen, deutsch gepräg­ten, zentra­lis­ti­schen Politik aus Brüssel. Hier stehen wir nicht mehr Seite an Seite», schrieb der konser­va­ti­ve Politi­ker in einem Gastbei­trag für die «Bild»-Zeitung.

Orban stellt fest: «Schon mit der Migra­ti­ons­kri­se 2015 zerbrach unsere Einig­keit.» Damals waren hundert­tau­sen­de Migran­ten weitge­hend unkon­trol­liert über die Balkan-Route nach Europa einge­reist, vor allem nach Deutsch­land. Die damali­ge Krise habe tiefgrei­fen­de Meinungs­ver­schie­den­hei­ten über die Zukunft der Europäi­schen Union zu Tage geför­dert, schrieb er. «Für die Ungarn und andere Mittel­eu­ro­pä­er ist die Heimat immanent, di