BERLIN (dpa) — Auch der Führer­schein soll digital werden — doch gleich zum Start gibt es Proble­me. Mit so viel Inter­es­se haben die Entwick­ler gar nicht gerech­net. Und auch beim Daten­schutz hakelt es?

Eine Woche nach dem Start­schuss für den digita­len Führer­schein in Deutsch­land ist die dazuge­hö­ri­ge Smart­pho­ne-App «ID Wallet» wieder zurück­ge­zo­gen worden.

Die Anwen­dung war am Donners­tag weder im Apple App Store noch im Google Play Store mehr verfüg­bar. Zuvor hatten Exper­tin­nen und Exper­ten auf Sicher­heits­lü­cken in der App hingewiesen.

Der von der Bundes­re­gie­rung beauf­trag­te Dienst­leis­ter Digital Enabling GmbH erklär­te, der Start der App habe viel Aufmerk­sam­keit von Nutze­rin­nen und Nutzern erhal­ten, die sich inten­siv mit Sicher­heits- und Vertrau­ens­fra­gen befas­sen. «Um das System auf höhere Nutzlas­ten auszu­le­gen und den Sicher­heits­hin­wei­sen nachzu­ge­hen, werden wir in den nächs­ten Wochen umfang­rei­che weite­re Tests durch­füh­ren. In dieser Zeit werden wir die App aus den Stores nehmen.»

Der digita­le Führer­schein, der in der «ID Wallet» aufbe­wahrt wird, soll nach den Plänen der noch amtie­ren­den Bundes­re­gie­rung beispiels­wei­se die Anmie­tung von Mietwa­gen oder die Nutzung von Carsha­ring-Angebo­ten erleich­tern. Langfris­tig sollte das digita­le Abbild des Führer­scheins auf dem Smart­pho­ne das analo­ge Papier vollstän­dig erset­zen können, etwa bei einer Ausweis­kon­trol­le. Das Projekt war vor einer Woche von Bundes­ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU) vorge­stellt worden.

In der schwarz-roten Bundes­re­gie­rung hatte sich vor allem die Staats­mi­nis­te­rin für Digita­li­sie­rung, Dorothee Bär (CSU), für eine Digita­li­sie­rung von amtli­chen Dokumen­ten und darauf aufset­zen­den Anwen­dun­gen wie die «ID Wallet» stark gemacht.

Nach der Vorstel­lung des Projek­tes «Digita­ler Führer­schein» traten zunächst techni­sche Schwie­rig­kei­ten auf, weil die Server überlas­tet waren. Außer­dem kriti­sier­ten Sicher­heits­ex­per­ten aus dem Umfeld des Chaos Compu­ter Clubs (CCC) die Anwen­dung. Zu den Kriti­kern gehört auch Lilith Wittmann, die zuvor bereits gravie­ren­de Sicher­heits­lü­cken in der Wahlkampf-App der CDU entdeckt hatte. Man habe «Grund zur Annah­me», dass die Infra­struk­tur hinter der App und die zugrun­de­lie­gen­de Block­chain-Technik angreif­bar sein könnten, twitter­te ein CCC-Mitglied.