Zu Fuß durch ganz Deutsch­land an einem Tag: Mit Abstand und mit Maske können zum 30. Jahres­tag der Wieder­ver­ei­ni­gung in Potsdam die 16 Bundes­län­der erkun­det werden. Wegen der Corona-Pande­mie läuft das Fest ganz anders als ursprüng­lich geplant.

Er eröff­ne­te am Samstag in der Landes­haupt­stadt Potsdam die Ausstel­lung «Einheits­Ex­po». Ausge­rech­net zum 30. Jahres­tag der Wieder­ver­ei­ni­gung am 3. Oktober ist vieles nicht so wie sonst.

«Wir hatten uns das Fest ganz anders vorge­stellt», sagte Woidke, der als Bundes­rats­prä­si­dent in diesem Jahr Gastge­ber der Feier­lich­kei­ten ist. Ein neuer Plan musste her. Anstel­le des ursprüng­lich geplan­ten Einheits­fes­tes wie in den Jahren zuvor mit hundert­tau­sen­den Besuchern wurde diese Ausstel­lung organi­siert. Zum Auftakt enthüll­te Woidke die ersten drei Buchsta­ben des Mottos «WIR mitein­an­der».

Die Bürger könnten stolz auf das sein, was in den in den vergan­ge­nen drei Jahrzehn­ten erreicht worden sei, beton­te er. Umfra­gen zeigten, dass die Menschen in Deutsch­land zufrie­de­ner seien als zu jedem Zeitpunkt seit der Wieder­ver­ei­ni­gung, heißt es auch im Jahres­be­richt der Bundes­re­gie­rung, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. In dem Bericht steht aber auch, dass es noch immer große Unter­schie­de zwischen Ost und West gebe: «Das gilt für die Bewer­tung der Demokra­tie und der politi­schen Insti­tu­tio­nen, bei Einstel­lun­gen zu etwas Fremden oder der Verbrei­tung rechts­ex­tre­mis­ti­scher Orien­tie­run­gen.» Der Prozess der inneren Einheit Deutsch­lands sei «nach 30 Jahren noch nicht vollstän­dig abgeschlos­sen».

Branden­burgs Minis­ter­prä­si­dent war am Samstag aber vor allem zum Feiern zumute: «Genie­ßen Sie Deutsch­land in den kommen­den 30 Tagen», warb Woidke für einen Besuch in Potsdam. Auf 3,5 Kilome­tern quer durch die Landes­haupt­stadt — vom Luisen­platz bis zum Landtag im wieder­auf­ge­bau­ten Stadt­schloss — zieht sich bis zum 4. Oktober die Freiluft­schau. Das Motto lautet «30 Jahre — 30 Tage — 30 x Deutsch­land». In gläser­nen Pavil­lons stellen sich die 16 Bundes­län­der vor. Besucher können die Expona­te aus Hygie­ne­grün­den nur von außen begut­ach­ten. Auch der Festakt zum Jubilä­um am 3. Oktober in der Metro­po­lishal­le wird mit stark reduzier­ter Gäste­zahl gefei­ert.

Im Pavil­lon des Bundes­ra­tes ist unter anderem eine Replik des Redner­pul­tes zu sehen. Der Bundes­ta­ges­pa­vil­lon zeigt ein Foto von der Reichs­tags­ver­hül­lung durch den Künst­ler Chris­to, der in diesem Jahr 85 Jahre alt gewor­den wäre. Beim Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt wird per Foto ein Blick in den Sitzungs­saal gewährt, dazu im Origi­nal die leuch­tend rote Robe eines Richters präsen­tiert. Erstmals betei­ligt sich außer­dem der Bundes­prä­si­dent an einem Bürger­fest.

Die Einheits-Kommis­si­on der Bundes­re­gie­rung betei­ligt sich mit einer gläser­nen Box an der Ausstel­lung, die von Künst­lern alle drei Tage neu gestal­tet wird. Zum Auftakt gibt es eine grüne Rasen­flä­che mit noch kahlen Stellen: als Zeichen dafür, dass Deutsch­land noch zusam­men­wach­sen muss.

Der Kommis­si­ons­vor­sit­zen­de und Ex-Minis­ter­prä­si­dent von Branden­burg, Matthi­as Platz­eck, hätte sich übrigens ein anderes Datum als den 3. Oktober als Natio­nal­fei­er­tag gewünscht. Für ihn seien der 9. Oktober — an dem Tag fand 1989 die große Leipzi­ger Demons­tra­ti­on statt — oder der 9. Novem­ber — Tag des Mauer­falls — besser geeig­net, sagte er am Samstag im rbb infora­dio. Die beiden Tage seien «hochgra­dig emotio­nal besetzt», während der 3. Oktober eher der Verwal­tungs­voll­zug der deutschen Einheit gewesen sei.