KIEW (dpa) — In der Ostukrai­ne werfen sich die Kriegs­par­tei­en gegen­sei­tig die Tötung von Zivilis­ten vor, Menschen werden zur Flucht aufge­ru­fen. Ein Überblick zum Gesche­hen in der Nacht und ein Ausblick auf den Tag.

Der ukrai­ni­sche Präsi­dent Wolodym­yr Selen­skyj sieht in westli­chen Waffen­sys­te­men schon jetzt eine kraft­vol­le Verstär­kung der ukrai­ni­schen Armee im Krieg gegen Russland.

Mit treff­ge­nau­er Artil­le­rie zerstö­re die Ukrai­ne Depots und andere Ziele, die für die Logis­tik der Russen wichtig seien, sagte Selen­skyj am Mittwoch in einer Video­bot­schaft. «Und das reduziert das Offen­siv­po­ten­zi­al der russi­schen Armee erheb­lich. Die Verlus­te der Besat­zer werden mit jeder Woche zuneh­men», meinte er. Der Donners­tag ist für die Ukrai­ne der 134. Kriegs­tag seit Beginn der russi­schen Invasi­on Ende Februar.

Selen­skyj spricht von Raketen­an­griff auf Universität

Selen­skyj warf Russland einen Raketen­an­griff auf die pädago­gi­sche Univer­si­tät der zweit­größ­ten Stadt Charkiw vor. «Das charak­te­ri­siert die russi­sche Invasi­on mit einer Genau­ig­keit von 100 Prozent. Wenn man definiert, was Barba­rei ist, ist dieser Schlag am besten geeig­net.» Nur ein «Feind von Zivili­sa­ti­on und Mensch­lich­keit» könne Raketen auf eine pädago­gi­sche Univer­si­tät abfeu­ern. Kein Besat­zer werde ungestraft davon­kom­men, beteu­er­te Selen­skyj. «Jeder russi­sche Mörder und Verge­wal­ti­ger, der in unser Land gekom­men ist, wird zur Rechen­schaft gezogen. Und es spielt keine Rolle, wie lange es dauert, diese Aufga­be zu erledi­gen.» Die Ukrai­ne werde alles wiederherstellen.

Gouver­neur: Noch immer Kämpfe in Region Luhansk

Die ostukrai­ni­sche Region Luhansk wird nach Darstel­lung von Gouver­neur Serhij Hajdaj noch nicht völlig von der russi­schen Armee kontrol­liert. Die Kämpfe dauer­ten in Außen­be­zir­ken an, teilte er per Nachrich­ten­dienst Telegram mit. Das russi­sche Militär habe Verlus­te. Die ukrai­ni­sche Armee habe sich nur von jenen Positio­nen zurück­ge­zo­gen, die nicht zu halten waren. Hajdaj warf den Angrei­fern vor, in der Region verbrann­te Erde zu hinter­las­sen. Er gehe davon aus, dass die russi­sche Armee von Luhansk aus eine Offen­si­ve gegen die Orte Bachmut und Slowjansk in der Region Donezk starten wolle.

Zivilis­ten sollen flüchten

Im Donez­ker Gebiet fordern die Behör­den die Zivil­be­völ­ke­rung vor diesem Hinter­grund zur Flucht auf. «Russland hat das gesam­te Gebiet von Donezk zu einem gefähr­li­chen Hotspot auch für Zivilis­ten gemacht», teilte Gouver­neur Pawlo Kyrylen­ko mit. Der Bürger­meis­ter von Slowjansk, Wadym Ljach, kündig­te an, Zivilis­ten sollten mit Bussen und Zügen in den Westen des Landes gebracht werden. «Kein Risiko einge­hen! Packt zusam­men!», appel­lier­te Ljach. Insge­samt seien seit Beginn der Kämpfe in Slowjansk 17 Menschen getötet und 67 verletzt worden.

Beide Seiten berich­ten von Beschuss

Beide Kriegs­par­tei­en machten sich unter­des­sen gegen­sei­tig für Tote und Verletz­te bei neuen Angrif­fen verant­wort­lich. Die prorus­si­schen Separa­tis­ten in der Region Donezk warfen der ukrai­ni­schen Armee vor, durch Beschuss sechs Menschen getötet zu haben, darun­ter drei Kinder. 19 Menschen seien verletzt worden. Die Ukrai­ne warf der russi­schen Armee ihrer­seits den Beschuss mehre­rer Orte vor. In der Region Donezk seien drei Menschen getötet worden. Die Angaben waren von unabhän­gi­ger Seite nicht überprüfbar.

Telefo­na­te vor Treffen der G20-Außenminister

Vor dem Treffen der G20-Außen­mi­nis­ter am Donners­tag auf Bali hat der ukrai­ni­sche Ressort­chef Dmytro Kuleba mit Bundes­au­ßen­mi­nis­te­rin Annale­na Baerbock (Grüne) telefo­niert. «Wir werden Russland die Bühne des Treffens in Indone­si­en nicht überlas­sen, und wir werden die Ukrai­ne weiter entschie­den unter­stüt­zen», teilte das Auswär­ti­ge Amt per Twitter mit. Kuleba sprach auch mit seinem US-Kolle­gen Antony Blink