Nach dem tagelan­gen Feuer­werk von Armin Laschet und Markus Söder ist am Mittwoch erst einmal Pause. Der Konflikt um die Kanzler­kan­di­da­tur von CDU und CSU schwelt vor sich hin. Ausgang ungewiss.

BERLIN (dpa) — Der Nerven­po­ker um die Kanzler­kan­di­da­tur der Union zwischen den Partei­vor­sit­zen­den von CDU und CSU, Armin Laschet und Markus Söder, hält an.

Nach den Auftrit­ten der Minis­ter­prä­si­den­ten von Nordrhein-Westfa­len und Bayern am Vortag in der Unions­frak­ti­on im Bundes­tag gab es am Mittwoch öffent­lich keine Bewegung in ihrem Macht­kampf. Beide hatten angekün­digt, dass noch in dieser Woche eine Entschei­dung fallen soll.

CSU-Chef Söder bezeich­ne­te den Ausgang des Macht­kampfs am Mittwoch in einer Sitzung der CSU-Landtags­frak­ti­on in München als «völlig offen». Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur überein­stim­mend von mehre­ren Teilneh­mern. Es werde ein gutes Ergeb­nis geben, sagte Söder demnach. Man müsse den Menschen am Ende erklä­ren können, warum so oder so entschie­den worden sei. Bei so einer wichti­gen Frage dürfe man sich auch ein paar Tage Zeit nehmen. Söder fügte hinzu, keiner dürfe beschä­digt werden. Seinen Kontra­hen­ten Laschet nannte er einen hoch verita­blen Minis­ter­prä­si­den­ten, den er sehr schätze.

Eine Mehrheit der Bundes­bür­ger sieht die Bewer­bung Söders um die Kanzler­kan­di­da­tur der Union positiv. In einer reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­ge des Meinungs­for­schungs­in­sti­tuts Civey im Auftrag der «Augsbur­ger Allge­mei­nen» (Mittwoch) nannten es 58 Prozent der Befrag­ten richtig, dass er seine Bereit­schaft dazu erklärt habe. 30 Prozent gaben an, dass sie Söders Griff nach dem Spitzen­pos­ten der Union für die Bundes­tags­wahl am 26. Septem­ber für falsch halten. 12 Prozent zeigten sich unent­schie­den. Beson­ders groß ist die Rücken­de­ckung für Söder den Angaben zufol­ge im Unions­la­ger, wo 86 Prozent seinen Schritt begrüßten.

Die stell­ver­tre­ten­de CDU-Vorsit­zen­de Silvia Breher plädier­te am Mittwoch im ARD-«Morgenmagazin» für eine Entschei­dung noch in dieser Woche. «Das muss das Ziel sein», sagte sie. «In der jetzi­gen Zeit, wo sich wirklich jeder eigent­lich eher um andere Dinge Sorgen macht, darf sich das nicht lange hinziehen.»

Der frühe­re CSU-Chef und heuti­ge Bundes­in­nen­mi­nis­ter Horst Seehofer zeigte eine gewis­se Ratlo­sig­keit. Er warb in der «Augsbur­ger Allge­mei­nen» (Donners­tag) für einen schnel­len Konsens der beiden Kontra­hen­ten. Diesen halte er noch für möglich — er wisse aber nicht, «wie sie das bewerk­stel­li­gen könnten». Seehofer erklär­te: «Ich leide unter dieser sehr schwie­ri­gen Situa­ti­on für CDU und CSU.»

Laschet und Söder waren am Diens­tag in der CDU/C­SU-Bundes­tags­frak­ti­on aufge­tre­ten und hatten sich vor den Abgeord­ne­ten einen offenen Schlag­ab­tausch gelie­fert. Es gab eine lange Ausspra­che mit Dutzen­den Wortmel­dun­gen, wobei Söder nach Angaben von Teilneh­mern mehr Fürspre­cher fand als Laschet.

CSU-General­se­kre­tär Markus Blume sprach später von einer sehr guten, offenen, ehrli­chen Ausspra­che. Söder sei derje­ni­ge, «der da draußen unheim­lic