BERLIN (dpa) — Fried­rich Merz ist fast am Ziel. Ein digita­ler Partei­tag wählt ihn zum neuen Partei­chef. Er bekommt einen großen Vertrau­ens­vor­schuss. Aus recht­li­chen Gründen muss jetzt aber noch eine Brief­wahl erfolgen.

Die CDU hat den Wirtschafts­po­li­ti­ker Fried­rich Merz zu ihrem neuen Vorsit­zen­den gewählt. Bei einem digita­len Bundes­par­tei­tag stimm­ten am Samstag 915 von 983 Delegier­ten für den 66-Jähri­gen, 16 enthiel­ten sich.

Die CDU errech­ne­te daraus eine Zustim­mung von 94,62 Prozent. Die Entschei­dung muss noch formal per Brief­wahl bestä­tigt werden. Deren Ergeb­nis soll am 31. Januar verkün­det werden.

Wegen der Corona-Pande­mie war nur die engste Führungs­rie­ge der CDU in der Partei­zen­tra­le in Berlin anwesend. Die Delegier­ten stimm­ten online ab. Merz war im Dezem­ber in der ersten Mitglie­der­be­fra­gung der CDU zum Partei­vor­sitz mit 62,1 Prozent zum Nachfol­ger des als Kanzler­kan­di­dat geschei­ter­ten Armin Laschet bestimmt worden. Die Wahl auf dem Partei­tag galt deshalb als Formsache.

Bei zwei frühe­ren Anläu­fen gescheitert

Merz ist der dritte CDU-Vorsit­zen­de inner­halb von gut drei Jahren, nachdem die damali­ge Kanzle­rin Angela Merkel 2018 angekün­digt hatte, sich nach 18 Jahren vom Partei­vor­sitz zurück­zu­zie­hen. Bei zwei frühe­ren Anläu­fen auf den Partei­vor­sitz hatte der Wirtschafts­ex­per­te im Dezem­ber 2018 gegen Annegret Kramp-Karren­bau­er und im Januar 2021 gegen Laschet verloren.

Kompet­te neue Führungs­spit­ze wird neu gewählt

Neben dem Vorsit­zen­den wollte die CDU als Konse­quenz aus dem Desas­ter bei der Bundes­tags­wahl mit ihrem histo­risch schlech­tes­ten Ergeb­nis von 24,1 Prozent auch ihre komplet­te weite­re Führungs­spit­ze neu wählen. Der Bundes­tags­ab­ge­ord­ne­te und frühe­re Berli­ner Sozial­se­na­tor Mario Czaja soll zum General­se­kre­tär gewählt werden. Er soll für den Wirtschafts­ex­per­ten Merz den Arbeit­neh­mer­flü­gel abdecken.

Von den fünf bishe­ri­gen stell­ver­tre­ten­den Vorsit­zen­den tritt nur die nieder­säch­si­sche Bundes­tags­ab­ge­ord­ne­te Silvia Breher erneut an. Für die weite­ren vier Stell­ver­tre­ter­pos­ten bewer­ben sich die schles­wig-holstei­ni­sche Bildungs­mi­nis­te­rin Karin Prien, der sächsi­sche Minis­ter­prä­si­dent Micha­el Kretschmer, der baden-württem­ber­gi­sche Bundes­tags­ab­ge­ord­ne­te Andre­as Jung und der Bundes­tags­ab­ge­ord­ne­te und Wirtschafts­ex­per­te Carsten Linnemann.

Für die übrigen sieben Posten im Partei­prä­si­di­um kandi­die­ren acht Frauen und Männer, darun­ter die Vorsit­zen­de der Frauen Union, Annet­te Widmann-Mauz, sowie der bishe­ri­ge Vize-Partei­chef und frühe­re Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn. Von den insge­samt 54 Bewer­bern für die Führungs­gre­mi­en ist die Hälfte weiblich. Die Rivalen von Merz bei der Mitglie­der­be­fra­gung, der Außen­po­li­ti­ker Norbert Röttgen und Ex-Kanzler­amts­chef Helge Braun, treten nicht für einen Posten in der Partei­spit­ze an.

Merz will die neu gewähl­te Führungs­spit­ze schon heute Nachmit­tag erstmals um sich versam­meln. Offizi­ell sind die konsti­tu­ie­ren­den Sitzun­gen