Die Demokra­ten wollen Joe Biden bei ihrem Partei­tag zum Kandi­da­ten für die Wahl küren. Kurz zuvor verschärft Präsi­dent Trump die Angrif­fe auf seinen Kontra­hen­ten.

Sie wollten «ameri­ka­ni­sche Freiheit durch linken Faschis­mus erset­zen». Bei einem Auftritt in Oshkosh (Wiscon­sin) sagte Trump: «Das ist meiner Meinung nach die wichtigs­te Wahl, die wir jemals hatten.» Er fügte hinzu: «Wir werden für das Überle­ben unserer Nation und der Zivili­sa­ti­on an sich kämpfen.»

«EIN TROJANISCHES PFERD FÜR SOZIALISMUS»

Beim Partei­tag der Demokra­ten in Milwau­kee in Wiscon­sin — der am Montag­abend (Ortszeit) begin­nen sollte — soll Biden offizi­ell zum Kandi­da­ten gekürt werden. Trump sagte: «Biden ist nur ein troja­ni­sches Pferd für Sozia­lis­mus.» Trump trat am Montag drei Mal vor Anhän­gern auf — zwei Mal in Minne­so­ta und einmal in Wiscon­sin. Beide Bundes­staa­ten sind sogenann­te Swing States, denen bei der Wahl beson­de­re Bedeu­tung zukommt, da sie nicht eindeu­tig einer der beiden Partei­en zuzuord­nen sind. In den kommen­den Tagen will Trump mit Arizo­na und Pennsyl­va­nia zwei weite­re Swing States besuchen.

PARTEITAG IM ZEICHEN VON CORONA

Der viertä­gi­ge Partei­tag der Demokra­ten findet wegen der Corona-Pande­mie weitge­hend online bezie­hungs­wei­se über Video­kon­fe­ren­zen statt und nicht wie ursprüng­lich geplant mit Tausen­den Delegier­ten und Zehntau­sen­den Gästen. «Wir mögen physisch getrennt sein, aber diese Woche kommen Demokra­ten aus der ganzen Nation zusam­men, um unsere Vision für ein besse­res Ameri­ka vorzu­stel­len», schrieb Biden am Montag auf Twitter.

TRUMP GIBT SICH ALS PRÄSIDENT FÜR RECHT UND ORDNUNG

Trump sagte in Minnea­po­lis (Minne­so­ta), mit Biden und dessen Vize-Kandi­da­tin Kamala Harris wollten die Demokra­ten ihren «linken Krieg gegen Polizis­ten» ins Weiße Haus tragen. In Minnea­po­lis war Ende Mai der Afroame­ri­ka­ner George Floyd bei einem bruta­len Polizei­ein­satz getötet worden. Der Fall hatte Protes­te gegen Rassis­mus und Polizei­ge­walt im ganzen Land ausge­löst. Trump kündig­te an, Recht und Ordnung wieder herzu­stel­len. Biden warf er vor, Polizei­be­hör­den die Finan­zie­rung entzie­hen zu wollen, was nicht zu den Forde­run­gen des Ex-Vizeprä­si­den­ten gehört.

Trump sagte: «Wir werden unsere Städte und unsere Voror­te vor einer Zukunft aus Krimi­na­li­tät und Chaos, Korrup­ti­on und wirtschaft­li­chem Zusam­men­bruch schüt­zen, die die Mario­net­te Joe Biden in Ameri­ka entfes­seln würde.» Mit Blick auf die Demokra­ten fügte Trump hinzu: «Ihre Sympa­thien gelten Geset­zes­bre­chern und Krimi­nel­len. Mein Herz schlägt für geset­zes­treue, hart arbei­ten­de Ameri­ka­ner.» Er bitte um die Stimmen all jener, die glaub­ten, «dass Polizis­ten nicht Feinde sind, sondern Helden».

Trump versprach, im Fall seiner Wieder­wahl Steuern zu senken und Regula­ri­en abzubau­en. Inner­halb von zehn Monaten wolle er zehn Millio­nen neue Jobs schaf­fen, sagte er. Außer­dem werde er die Abhän­gig­keit von China bei medizi­ni­schen Produk­ten beenden.

DIE KANDIDATEN UND DIE PANDEMIE

Trump warf Biden vor, wegen der Corona-Pande­mie alle Ameri­ka­ner über Monate hinweg in ihre Keller sperren zu wollen. Seine Regie­rung verfol­ge dagegen im Kampf gegen das Virus einen Kurs, der sich an wissen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen orien­tie­re. Biden schrieb auf Twitter: «Stellen Sie sich nur vor, wo wir jetzt wären, wenn wir einen Präsi­den­ten hätten, der den Wissen­schaft­lern zuhören würde.» Nach Daten der Johns-Hopkins-Univer­si­tät hat die Pande­mie in den USA inzwi­schen mehr als 170.000 Menschen das Leben gekos­tet.

MICHELLE OBAMA WIRBT FÜR BIDEN

Die frühe­re First Lady Michel­le Obama lobte Biden als «zutiefst anstän­di­gen Mann». «Er hört zu. Er wird die Wahrheit sagen und der Wissen­schaft vertrau­en», sagte sie in einem vorab veröf­fent­lich­ten Ausschnitt ihrer Partei­tags­re­de.

Die Frau von Ex-Präsi­dent Barack Obama gehört zu den promi­nen­tes­ten Rednern, die auf dem Programm des Partei­tags stehen. Was sie über Biden sagte, steht im Kontrast zu dem, was Kriti­ker Trump vorwer­fen: Dass dieser nicht auf seine Berater höre, Lügen erzäh­le und die Wissen­schaft ignorie­re. Biden, der unter Barack Obama Vizeprä­si­dent war, habe in dem Amt einen «fantas­ti­schen» Job gemacht, sagte Michel­le Obama. «Er weiß, was es braucht, um eine Wirtschaft zu retten, eine Pande­mie zurück­zu­schla­gen und unser Land zu führen.»

Neben Michel­le Obama sollte zum Auftakt des Partei­tags auch der linke Senator Bernie Sanders sprechen, der Biden im Vorwahl­kampf unter­le­gen war. Außer­dem stehen die Gouver­neu­re Gretchen Whitmer (Michi­gan) und Andrew Cuomo (New York) sowie vier Republi­ka­ner auf dem Programm. Die Demokra­ten erhof­fen sich von ihrem Auftritt, auch andere Anhän­ger von Trumps Partei auf ihre Seite zu ziehen.