Verbrau­cher kaufen mehr Konser­ven, geschlos­se­ne Restau­rants fallen als Kunden weg: Die Folgen der Corona-Krise zeigen sich auch bei der Fisch­wirt­schaft. Umwelt­schüt­zer betrach­ten den Fisch­kon­sum in Deutsch­land mit Sorge.

Das zeige sich beispiels­wei­se bei den Einkäu­fen von Fisch­kon­ser­ven, die in den Monaten Febru­ar und März einen Nachfra­ge­schub von bis zu 46 Prozent verzeich­net hätten. Auch in den Wochen danach hätten Kunden viel lang haltba­re Fisch­pro­duk­ten gekauft.

Cathe­ri­ne Zucco von der Umwelt­stif­tung WWF Deutsch­land sagte zu dieser Entwick­lung: «Der Griff zur Fisch­kon­ser­ve in der Corona-Krise ist verständ­lich, aber auch der Fisch in der Dose steckt in der Krise», erklär­te die Fische­rei-Exper­tin. «Thunfisch­fän­ge haben sich seit den 80er Jahren verdop­pelt, das bringt viele Bestän­de in Gefahr.» Beim Fisch­ein­kauf sei es wichtig auf die Art, Herkunft und Produk­ti­ons­me­tho­de achten.

Auch der europäi­sche Iglo-Mutter­kon­zern Nomad Foods (London) berich­te­te, dass Menschen in Corona-Zeiten beim Einkauf verstärkt zu Tiefkühl­pro­duk­ten greifen. Er verzeich­ne­te im ersten Halbjahr 2020 ein Umsatz­wachs­tum in Europa von 10,8 Prozent auf 1,28 Milli­ar­den Euro, wie Iglo Deutsch­land am Mittwoch mitteil­te. Aller­dings seien in Folge der Pande­mie auch die betrieb­li­chen Aufwen­dun­gen um 7 Prozent gestie­gen. Die Gruppe erhöh­te ihre Jahres­pro­gno­se und erwar­tet nun ein Umsatz­wachs­tum im hohen einstel­li­gen Prozent­be­reich.

Die zeitwei­se Schlie­ßung von Restau­rants, Kanti­nen oder Imbiss­bu­den in der Pande­mie wirkte sich auch auf die Absatz­ka­nä­le der Fisch­wirt­schaft aus. Der Außer-Haus-Verkauf werde in diesem Jahr nach aktuel­ler Schät­zung einen Rückgang um 110.500 Tonnen auf 165.750 Tonnen (Fangge­wicht) zu verkraf­ten haben, teilte das FIZ mit. Gleich­zei­tig werde eine Zunah­me der Einkäu­fe über den Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del um 124.312 Tonnen auf 953.062 Tonnen erwar­tet. Insge­samt rechnet das FIZ 2020 mit einem kleinen Zuwachs im Pro-Kopf-Fisch­kon­sum von 1,5 Prozent auf 13,5 Kilogramm.

2019 gaben die Verbrau­cher in Deutsch­land nach Angaben des FIZ erneut für Fisch und Meeres­früch­te mehr Geld aus als im Vorjahr. Die Ausga­ben seien um 4,9 Prozent auf 4,1 Milli­ar­den Euro gestie­gen und hätten damit einen neuen Rekord­wert erreicht. Die größte Menge an Fisch und Meeres­früch­ten setzten im vergan­ge­nen Jahr wieder die Discoun­ter um, berich­te­te Stahl­ho­fen. Beson­ders beliebt sei weiter­hin Alaska-Seelachs. Auf den Plätzen dahin­ter folgen Lachs, Thunfisch, Hering und Garne­len. Die meisten Fisch­pro­duk­te kauften laut Mittei­lung des FIZ die Verbrau­cher in Hamburg, Bremen und Schles­wig-Holstein. Im Länder­ver­gleich wird in Baden-Württem­berg am wenigs­ten Fisch einge­kauft.

Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2019 nach vorläu­fi­gen Berech­nun­gen bei 13,3 Kilogramm. Das entspricht einem Rückgang von 3,6 Prozent im Vergleich zum vorläu­fi­gen Ergeb­nis 2018 (13,8 Kilogramm). Kritik kam von Green­peace-Meeres­bio­lo­ge Thilo Maack: Gemes­sen am Grad der weltwei­ten Überfi­schung werde in Deutsch­land zu viel Fisch geges­sen, beton­te er. Die zerstö­re­ri­schen Fangme­tho­den mit ihren Beifän­gen und ihrer Lebens­raum­ver­nich­tung seien Haupt­grün­de für die histo­ri­sche Krise der Meere. «Fisch muss wieder viel mehr als Delika­tes­se angese­hen werden, die es nur zu beson­de­ren Gelegen­hei­ten gibt», forder­te Maack.