Laschet präsen­tiert sich als Bürger-Verste­her mit Amtsbo­nus. Merz galop­piert los wie ein Pferd, das zu lange in der Box gestan­den hat. Eine weibli­che CDU-Führungs­kraft aus der zweiten Reihe warnt die Kandi­da­ten vor zu viel Zoff, der am Ende der Partei schaden könnte.

Das ist an diesem Wochen­en­de, wo zwei von ihnen bei der Jungen Union in Nieder­sach­sen zu Gast waren, noch einmal deutlich gewor­den.

Dabei war die Veran­stal­tung in Hildes­heim bewusst nicht als Kandi­da­ten­du­ell angelegt, sondern eher als eine Art Stimmungs­test: Vier Stunden lagen am Samstag zwischen den Auftrit­ten von Nordrhein-Westfa­lens Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet und Ex-Unions­frak­ti­ons­chef Fried­rich Merz, so dass beide einan­der nicht begeg­ne­ten. Am Applaus der rund 180 Delegier­ten gemes­sen, ging das Rennen in Hildes­heim eher unent­schie­den aus.

Die Heraus­for­de­run­gen, die Merz und Laschet für die CDU, die Bundes­tags­wahl und Deutsch­land skizzier­ten, lagen grob gefasst kaum ausein­an­der. Die Grünen als ernster Mitbe­wer­ber, die Ökolo­gie als Zukunfts­fra­ge und die Aufga­be für die CDU, eine starke Wirtschafts­po­li­tik in Einklang mit mehr Ökolo­gie zu bringen. Merz trat dabei mehr staats­män­nisch auf, blick­te auf Deutsch­lands Verant­wor­tung in Europa und seine Positi­on in der Welt. Laschet als Landes­va­ter spulte eine Rede ab, die auch in den aktuel­len NRW-Lokal­wahl­kampf gepasst hätte und sein Bundes­land im Fokus hatte.

Eine starke Wirtschafts­po­li­tik, die die Umwelt stärker als bisher berück­sich­tigt, forder­te Merz von der Union. «Die Union muss aus meiner Sicht ein klares wirtschafts­po­li­ti­sches Profil haben, aber wir müssen gleich­zei­tig nachar­bei­ten, wie wir uns das denn vorstel­len, dass das umwelt­ge­recht und sozial­ver­träg­lich ist», sagte Merz in seiner Rede am Vormit­tag. «Wir brauchen eine ökolo­gi­sche Erneue­rung und einen weite­ren Ausbau der sozia­len Markt­wirt­schaft.» Die Union werde im Wettstreit mit den Grünen besser daste­hen, wenn sie den Schwer­punkt nicht allei­ne auf die Umwelt­po­li­tik richte, sondern Ökono­mie und Ökolo­gie verbin­de, um den Wohlstand zu erhal­ten.

Laschet mahnte dann am Nachmit­tag, die CDU dürfe sich nicht auf guten Umfra­ge­wer­ten in der Corona-Krise ausru­hen. «Haben wir die richti­gen Antwor­ten auf die Zukunfts­fra­gen, damit die Wähler uns auch außer­halb der Krise vertrau­en?», fragte er. Digita­li­sie­rung auch in Schule und Verwal­tung sei nötig, ein Bürokra­tie­ab­bau und schnel­le­re Planungs­ver­fah­ren und außer­dem ein schnel­les Ende der coronabe­ding­ten Schul­den­auf­nah­me. «Der Staat kann auf Dauer nicht jedes Problem lösen, das geht nur, wenn die Wirtschaft in Gang kommt.» Bei der Bundes­tags­wahl wollten SPD und Grüne der CDU Wähler in der Mitte abspens­tig machen, sagte Laschet und warnte vor Rot-Rot-Grün. «Sie werden es diesmal machen, wenn es rechne­risch geht.»

Neben Merz und Laschet hat auch der Außen­po­li­ti­ker Norbert Röttgen seine Kandi­da­tur für die Nachfol­ge von CDU-Partei­che­fin Annegret Kramp-Karren­bau­er erklärt. Die Entschei­dung soll auf dem CDU-Bundes­par­tei­tag am 4. Dezem­ber in Stutt­gart fallen. 2018 hatte Merz schon einmal für den CDU-Vorsitz kandi­diert und knapp gegen Kramp-Karren­bau­er verlo­ren.

Röttgen hatte sich zuletzt vor allem zur Krise im deutsch-russi­schen Verhält­nis zu Wort gemel­det. In der Diskus­si­on um eine Rassis­mus-Studie bei der Polizei sprach er sich auf Twitter für eine solche Studie aus, die Bundes­in­nen­mi­nis­ter Horst Seehofer ablehnt.

Merz äußer­te sich in Hildes­heim auch zu einer mögli­chen Kanzler­kan­di­da­tur von CSU-Chef Markus Söder — und machte klar, dass er nicht mit einem solchen Szena­rio rechnet. Er erinner­te an die Kandi­da­tu­ren von Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber 1980 und 2002. «Das waren beides Mal Situa­tio­nen, in denen die Mehrheit der CDU gewollt hat, dass der Vorsit­zen­de der CSU Kanzler­kan­di­dat wird, weil wir es uns selber nicht genügend zugetraut haben», sagte Merz. «Ganz offen gestan­den, ich sehe eine solche Lage für das Jahr 2020 nicht.» Gleich­wohl würden CDU und CSU gemein­sam einen Kanzler­kan­di­da­ten für die Union bestim­men. Markus Söder sagte der «Welt am Sonntag»: «Für mich gilt: Koope­ra­ti­on statt Konfron­ta­ti­on. So werde ich es auch mit dem neuen CDU-Chef halten. Wir als CSU denken auch für Deutsch­land und nicht nur für Bayern.»

CDU-Bundes­vi­ze Silvia Breher verlang­te von den Kandi­da­ten für den Partei­vor­sitz, alles zu tun, um eine Spaltung der CDU im Super­wahl­jahr 2021 zu verhin­dern. Laschet, Merz und Röttgen «sollten es nicht demje­ni­gen, der am Ende gewählt wird, überlas­sen, die Partei wieder hinter sich zu versam­meln», sagte Breher der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Sie sollten vielmehr schon heute ihre Anhän­ger darauf einschwö­ren, nach der Wahl das große Team CDU zu sehen und dafür zu strei­ten.»

Zugleich machte Breher klar, dass sie nach der für Anfang Dezem­ber geplan­ten Vorsit­zen­den­wahl der CDU eine rasche Einigung mit der CSU auf einen gemein­sa­men Kanzler­kan­di­da­ten erwar­tet. «Ich gehe davon aus, dass sich die Schwes­ter­par­tei­en Anfang kommen­den Jahres, wenn die CDU einen neuen Partei­vor­sit­zen­den hat und die Gesprä­che mit der CSU geführt worden sind, geeint hinter einen Kanzler­kan­di­da­ten versam­meln werden», sagte die nieder­säch­si­sche Bundes­tags­ab­ge­ord­ne­te.